Das Kaleidoskop deines Lebens – was ein neuer Blick verändern kann
- bettinastrunk
- 28. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Aug.

Schon mein ganzes Leben lang – gefühlt zumindest – fasziniert mich der Blick durch ein Kaleidoskop. Jenes unscheinbare Pappröhrchen, das allzu schnell als banales Kinderspielzeug abgetan wird. Dabei hat es das Potenzial, uns alle für einen Moment in eine ganz andere, eine zauberhafte Welt zu versetzen. Durch diese vielen bunten Steinchen nämlich, die sich nur durch eine winzige Drehung in stets neue Konstellationen zusammenfügen und jedes Mal ein anderes Bild ergeben. Schlichte Schönheit.
Das Prinzip ist verblüffend einfach und recht leicht nachzubauen. Was es braucht, sind einige bunte Steinchen, drei kleine Spiegel und ein Rohr aus Pappe und noch ein paar andere Utensilien. Zugegebenermaßen auch ein wenig Geschick. Aber das nur am Rande.
Was ein Kaleidoskop mit unserem Leben zu tun hat
Nun geht es hier nicht um das Kaleidoskop aus Pappe, sondern um mein Lebenskaleidoskop. Und durch dieses zu schauen, ist nicht mehr ganz so leicht. Weil mein Blick vernebelt ist. Weil Gewohnheiten oder Glaubenssätze keinen freien Blick mehr zulassen. Schon gar nicht auf ein buntes Bild.
Aber ist der Gedanke nicht zulässig, dass ein mutiger und ehrlicher Blick auf mein Leben faszinierend sein kann? Faszinierend und voller Erkenntnisse?
In diesem Augenblick schaue ich einmal nur auf mich, bin ganz bei mir, bei meinen Beziehungen, meinem vergangenen und meinem aktuellen Leben. Fokussiert und ohne Ablenkung. Wie durch ein Rohr eben. Irgendwann wird mein Blick tiefer, klarer. Ich beginne zu verstehen.
Je nachdem, ob ich das Kaleidoskop gegen das Licht halte oder ins Dunkle, ergibt sich ein ganz anderes Bild vom scheinbar Gleichen. Es kommt eben darauf an, worauf ich mein Kaleidoskop richte.
Wenn das vertraute Bild vom eigenen Leben nicht mehr stimmt
Und vielleicht ist genau das der Sinn eines solchen Blicks auf das eigene Leben. Nicht, weil ich alles noch einmal durchdenken, aufarbeiten oder gar bewerten müsste. Sondern weil ich mich fragen darf, ob das Bild, das ich von mir und meinem Leben habe, überhaupt noch stimmt. Ob ich darin noch vorkomme. Ob das, was lange richtig und selbstverständlich war, heute immer noch zu mir passt.
Doch was hindert mich daran, jene neue Perspektive einzunehmen? Gerade Frauen, die ein ganzes Leben lang für andere da waren, können sich oft kaum vorstellen, diesen Schritt zu tun. Eine neue Perspektive einnehmen. Wie soll das gehen?
Die Erschöpfung, das Laufen im Hamsterrad – all das steht im Weg. Und manchmal vielleicht auch schlicht die Gewohnheit, den Blick zuerst auf die Bedürfnisse aller anderen zu richten.
Dabei beginnt der veränderte Blick durch das Kaleidoskop meines Lebens mit etwas scheinbar Einfachem: mit dem Wahrnehmen.
Wahrnehmen heißt nicht unbedingt, dass etwas wahr ist
Ein spannendes Wort, wie ich finde. Ich nehme etwas wahr. Meine Rolle als Frau – früher und heute. Meine Beziehungen, in denen ich verbunden oder vielleicht immer öfter gefangen bin. Ich nehme meine Situation im Beruf wahr. Denke an erlebte Ohnmacht oder unerfüllte Sehnsucht. An Fülle oder Mangel. An Erfolge oder Scheitern.
Aber ist all das, was sich da vor meinem Inneren zeigt, wirklich wahr, nur weil ich es wahr-nehme?
Vielleicht ist und wa(h)r alles ganz anders. Vielleicht wa(h)r ich in dieser oder jener Situation gar nicht schwach, sondern, ganz im Gegenteil, stark.
Welche Geschichten erzähle ich über mich?
Und dann sind da noch all die Geschichten, die andere manchmal mein Leben lang über mich erzählen und denen ich immer wieder auf den Leim gehe. Die ich ebenfalls für wahr halte, weil sie so oft erzählt wurden.
All diesen Geschichten muss ich nicht mehr glauben. Ich darf die Challenge annehmen und sie anders erzählen. Nicht, um meine Vergangenheit umzuschreiben. Aber vielleicht, um ihr eine andere Bedeutung zu geben. Ich darf mein Kaleidoskop drehen.
Was ich von meinem Leben erzähle, wie ich über mich denke, setzt sich genau deshalb aus so vielen Steinchen zusammen. Weil es so viele Geschichten gibt. So viele Erinnerungen. Bestimmt sind nicht alle bunt, aber in ihrer Gesamtheit ergeben sie trotzdem meistens ein wunderschönes Bild.
Perspektivwechsel - Manchmal braucht es nur den richtigen Dreh
Hierin liegt aber auch eine Gefahr. Denn es gibt zahlreiche Gründe, die mich dazu bringen, nur das eine Bild meines Lebens zu betrachten, nicht daran zu drehen und deshalb nicht zu merken, dass mein Leben noch so viel mehr für mich bereithält.
Bequemlichkeit hat sich breit gemacht und ich nenne sie „Zufriedenheit“. Dabei weiß ich doch vielleicht schon längst, dass ich nicht mehr zufrieden bin, weil ich in meinem eigenen Bild nicht mehr vorkomme, nicht gesehen werde. Weil es so viel leichter ist, alles beim Alten zu belassen.
Das Kaleidoskop drehen und neue Möglichkeiten entdecken
Und genau deshalb kann es sich lohnen, genauer hinzuschauen. Nicht gleich auf das ganze Leben. Vielleicht zunächst nur auf einen Ausschnitt. Eine Rolle, die ich übernommen habe. Eine Beziehung. Eine alte Geschichte über mich. Eine Sehnsucht, die irgendwann leise geworden ist. Etwas, das ich verloren glaubte oder nie für möglich gehalten habe. Auf dieser Reise begleite ich dich gerne.
Manchmal genügt schon dieser eine Ausschnitt, um zu merken: Da gibt es noch ein anderes Bild.
Dann komme ich zu der ein oder anderen Erkenntnis – das reicht für den Anfang. Vielleicht entstehen daraus erstaunliche Ideen für meine Zukunft. Vielleicht bekommt eine alte Sehnsucht wieder Raum. Vielleicht darf ich bisher nie Gedachtes überhaupt erst einmal für möglich halten.
So gerüstet darf ich mich auf den Weg machen und Neues gestalten.
Denn dazu muss ich nicht mein gesamtes Leben auf den Kopf stellen. Wie beim Kaleidoskop braucht es manchmal nur eine kleine Bewegung. Den richtigen Dreh. Den Mut, eine andere Perspektive einzunehmen.
Genau aus diesem Gedanken ist auch mein Kaleidoskop entstanden: als Raum, in dem wir einzelne Facetten unseres Lebens betrachten können, ohne gleich das große Ganze lösen zu müssen. Wir nehmen wahr, was da ist, schauen aus unterschiedlichen Richtungen darauf und entdecken vielleicht Zusammenhänge, die uns bisher verborgen geblieben sind. Nicht mit dem Ziel, am Ende ein perfektes neues Bild zu besitzen. Sondern mit der Freiheit, überhaupt wieder andere Bilder für möglich zu halten.
Ich rede nichts schön. Ich weiß selbst, dass diese bunten Steinchen mitunter auch schon mal Scherben sein können. Mit scharfen Kanten und so oft verletzend. Aber sogar aus ihnen kann sich ein erstaunliches Bild in meinem Lebenskaleidoskop ergeben.
Und was mich am meisten begeistert: Die Zahl der immer neuen Bilder ist annähernd unendlich. Vielleicht sind sie einander ähnlich, aber immer anders.
Vielleicht möchtest du selbst einmal schauen, was geschieht, wenn du dein Lebenskaleidoskop ein kleines Stück weiterdrehst. Genau dafür habe ich das Kaleidoskop entwickelt: drei Erfahrungsräume, in denen wir einzelne Facetten unseres Lebens betrachten, bewegen und neu zusammensetzen.
In meinem nächsten Artikel schreibe ich darüber, wie du durch eine kleine Veränderung des Blickwinkels Bewegung in dein Leben bringst.
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