Mein Weg zum Licht – eine neurographische Annäherung
- bettinastrunk
- 19. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Dez. 2025

Was ist Licht – für dich und für mich?
Licht – das klingt zunächst so eindeutig. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird: Wir meinen längst nicht alle dasselbe. Für die einen ist Licht zu grell, sie möchten es am liebsten ausmachen. Andere brauchen sehr viel Licht, um sich wohlzufühlen. Und übertragen betrachtet wird es noch vielfältiger: Für mich kann Licht Lebendigkeit sein, Gemeinschaft, Resonanz – oder ganz schlicht Entspannung. Und dein Licht ist vielleicht wieder etwas ganz anderes.
Ich möchte dich mitnehmen auf meinem Weg zum Licht – und damit hinein in meinen ganz persönlichen Zeichenprozess. Dankbar nehme ich einen Impuls des Autors Heiko Metz auf: „Schritt für Schritt zum Licht.“
Advent als Weg – nicht als Warten
Sinngemäß schreibt Heiko Metz: Advent ist nicht nur Warten, sondern ein Weg – ein Weg, der uns Schritt für Schritt näher ans Licht führt. Manchmal sind diese Schritte leicht, manchmal schwer, weil die Dunkelheit uns einholt. Und doch erinnert uns der Advent daran: Das Licht kommt. Es bricht durch, auch wenn es manchmal nur ein kleiner Schimmer ist.
Dieser Gedanke begleitet mich – nicht nur in der Adventszeit, sondern immer dann, wenn ich mich frage, wohin mein Weg gerade führt.
Neurographik als Weg zum Licht
Die Neurographik lädt mich ein, nicht das zu betrachten, was ist, sondern mich mit dem zu verbinden, was werden darf. Nicht als "Wegträumen", sondern als innere Ausrichtung. Als bewusste Bewegung nach innen und zugleich nach vorn.
Ich gehe in Kontakt mit dem, was ich mir wünsche – und beobachte, was sich dabei in mir sortiert, klärt, beruhigt oder aufrichtet. Je konkreter ich werde, desto deutlicher spüre ich, wohin es mich wirklich zieht. Und manchmal zeigt sich im Rückblick: Ein nicht erfüllter Wunsch war vielleicht kein Scheitern, sondern Schutz. Wovor auch immer.
Formen, die Themen sichtbar machen
Ich wähle das Hochformat. Es fühlt sich stimmig, passender als das sonst übliche Querformat an. So kann ich deutlicher machen, wie lang ein Weg sein kann - oder kurz odervgeradlinig oder voller Wendungen.
Am unteren Bildrand entstehen Formen, die für meine Themen stehen: Beziehungen, Konflikte, unerfüllte Träume – ebenso Projekte und Wünsche. Leichtes und Schweres liegen plötzlich nebeneinander. Und obwohl noch keine Verbindung sichtbar ist, spüre ich bereits, wie nah alles beieinander liegt, wie stark alles miteinander verwoben ist. Allein dieses Wahrnehmen verändert etwas in meiner Gedankenwelt.
Ein Kreis taucht auf – leicht in die Vergangenheit gelegt, nicht mehr ganz rund. Und doch ergänzt mein Inneres ihn automatisch zu einem Ganzen. Für mich steht er für Beziehung: etwas Tragendes, etwas Lebendiges.
Daneben ein Quadrat, leicht auf der Ecke stehend. Vielleicht ein Bild für Projekte, die noch am Anfang stehen. Vielleicht auch für mich selbst – an der Schwelle zwischen Sichtbarkeit und Zurückhaltung.
Und dann gibt es Themen, die mich umtreiben, mir Sorgen machen, mich manchmal ohnmächtig fühlen lassen. Dafür entsteht eine zackige Form – etwa für die globale Situation. Etwas, an dem ich scheinbar nichts ändern kann. Dieses Gefühl nimmt Raum ein, wird sichtbar. Und ich merke: Die Zacken stören mich enorm.
Wenn ich beginne, handlungsfähig zu werden
Ich möchte doch Harmonie, Stärkung, Licht – und stattdessen liegt da diese kantige, scharfe Figur. Was tue ich also? Ich nutze etwas, das sinnbildlich für die Neurographik steht: Ich runde ab.
Abrunden heißt nicht, dass plötzlich alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist. Aber es kann bedeuten: Ich bekomme einen Zugang. Ich finde einen Umgang. Und vor allem werde ich handlungsfähig – weil ich etwas tue. Um das wirklich zu verstehen, denke ich gerade, muss man es erlebt haben. Diese Wirkung, die von einem einfachen Abrunden ausgeht, ist nicht zu beschreiben.
Handlungsfähig zu werden, gilt nicht nur auf dem Papier. Auch, wenn ich im Leben nicht alles verändern kann, so kann ich doch meinen ganz eigenen, kreativen Umgang finden und damit gestalten. Ich kann Einfluss nehmen, wo es mir möglich ist. Ich modelliere nicht die Welt – aber ich modelliere meine Haltung zur Welt. Und damit verändert sich etwas Wesentliches.
Linien, Kreuzungen und Verbundenheit
Manche Themen bleiben schwer zu greifen. Diffus, verschlungen, kaum zu fassen. Auch dafür findet sich eine Form, die mir äußerst authentisch erscheint.
Mit den Linien beginnt für mich der eigentliche Weg. Ich komme in Bewegung. Als Erkundung. Als Spüren. Je mehr Linien entstehen, desto mehr Kreuzungen zeigen sich. Und an jeder Kreuzung geschehen in meiner Vorstellung Begegnungen - von Gedanken, Menschen, Situationen.
Und genau darin liegt meine Freiheit. In der Interpretation. Manchmal geht eine Linie in eine andere über – für mich ist das ein Bild dafür, dass sich Dinge im Leben gegenseitig bedingen. Wenn es in einem Bereich hakt, wirkt das in andere hinein. Das neurographische Netz macht sichtbar: Alles hängt mit allem zusammen.
Lichtmomente sammeln – ohne ein Ziel erreichen zu müssen
Während ich meinen Weg gehe, sammle ich Lichtmomente. In meinem Bild werden sie zu Sternen – nicht perfekt, nicht glatt, aber stark. Die Spitzen bleiben. Sie dürfen spitz sein, weil sie strahlen sollen.
Diese Lichtmomente möchte ich nicht erst am Ende sehen. Denn ich weiß: Ein wirkliches „Ende“ gibt es nicht. Weder in der Neurographik noch im Leben. Es geht nicht darum, anzukommen, sondern unterwegs wahrzunehmen, was trägt.
Ich muss nicht wissen, was jede Linie oder jeder Stern genau bedeutet. Auch das ist eine "neurographische Weisheit": dass ich nicht wissen muss, was sich an Linien und Figuren auf meinem Blatt abbildet. Wichtig ist dieses innere Signal, das sich irgendwann zeigt: So soll es sich anfühlen. So wünsche ich es mir.
Und manchmal zeigt das Papier ganz von selbst, wo mehr Licht hingehört. Dort, wo sich Linien verdichten. Oder an einer Stelle, die sich leer anfühlt – nicht falsch, sondern ungesehen. Dann kann ich handeln: eine Verbindung schaffen, einen Lichtmoment setzen, einen Bereich stärken. Ganz bewusst.
Energie, Verbindung und Wandel
Die Idee „vom Dunklen zum Hellen“ wird irgendwann mehr als ein Bildgedanke. Sie wird zu einer inneren Bewegung. Farben stehen dann nicht für Gestaltung, sondern für Entscheidung. Ich erlaube mir Intuition – weniger Denken, mehr Fließen.
Und mit dem Licht taucht auch die Frage nach Energie auf. Für meinen Weg zum Licht brauche ich manchmal mehr als meine eigene Kraft. Womit verbinde ich mich? Für die einen ist es Natur, für die anderen das Universum. Ich selbst nenne es Gott und Schöpfung. Wie wir es nennen, ist zweitrangig. Entscheidend ist: Ich bin nicht allein unterwegs.
In der dunklen Jahreszeit fühlen wir uns oft müde. Aber vielleicht bin ich nicht energielos, sondern im Wandel. Der Winter ist eine Zeit des Wandels. Eine Zeit, in der Ruhe erlaubt ist. Nicht immer lässt sich das im Alltag leben – aber schon der Gedanke entlastet: Ich muss nicht immer im vollen Tempo vorangehen. Ich darf Pausen machen. Die Natur zeigt es uns jedes Jahr aufs Neue.
Kein fertiges Bild – sondern ein gangbarer Weg
Am Ende betrachte ich mein Bild und frage mich, wann es eigentlich fertig ist. Und mir wird klar: Es gibt so viele, ganz eigene Wege zum Licht. Keiner gleicht dem anderen.
Und noch etwas tritt deutlich hervor – obwohl ich es eigentlich längst weiß und doch immer wieder vergesse: Licht ist nicht nur das Helle. Es beleuchtet auch die Schatten. Damit sie gesehen werden können. Damit Wandlung möglich wird.
Vielleicht ist genau das der rundeste Abschluss: kein perfektes Bild, kein endgültiger Zustand – sondern die Bereitschaft, Schritt für Schritt weiterzugehen. Dem eigenen Licht entgegen. Und dem, was auf diesem Weg gesehen werden will, nicht auszuweichen.
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