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Corona? Gibt´s das noch?



Mein Coronabild

Mein Zeitzeich(n)en im Septmeber muss ich absagen. Ich bin krank. Corona! Das hatte ich noch nie! Es hört sich wohl ganz schön naiv an, wenn ich zugebe, dass ich es offenbar komplett verdrängt habe, dass es das noch gibt.

Als es mir wieder etwas besser geht, habe ich den Wunsch, meine Gefühle darüber, was eine solche Erkrankung mit mir macht, neurographisch zum Ausdruck zu bringen. Es soll kein großartiges Bild werden, an dem ich Stunden sitzen werde. Dafür reicht meine Kraft ohnehin noch nicht. Ich beginne mit sieben Dreiecken, die ich übereinanderliegend zeichne. Erst jetzt merke ich, dass ich gar nicht auf die Idee kam, diese irgendwie über das Blatt zu verteilen. Das hätte auch gar nicht gepasst, denn jedes steht für eine Einschränkung und der damit verbundenen Enge, die ich während der Erkrankung in mir wahrnehme: der Basiskurs für Psychotherapeut*innen, der nicht stattfinden konnte; das Online-Zeichnen, das ich schweren Herzens absagen musste; Begegnungen, die es nicht gab und vieles mehr. Ganz zu schweigen von meiner körperlichen Beeinträchtigung. Sieben Dreiecke, die sehr nah beieinanderliegen und so verdeutlichen, welche Enge das Virus in mir erzeugt. Ich zeichne diese sieben Dreiecke, runde ab und neurographiere sie. Irgendwann beginne ich, Linien nach außen zu ziehen, um sie mit dem Außen zu verbinden. Es sind wenige, und so soll es zunächst auch bleiben. In diesem leichten Netz, das entsteht, suche ich nach Kreisen oder Kreissegmenten. Zunächst entdecke ich nur eins links unten. Als ich den Kreis einzeichne, spüre ich, wie sich meine, vom Husten schmerzende Brust weitet. Ich drehe das Blatt hin und her und erst als ich das Netz verstärke, entstehen neue Kreise. Und wer genau hinschaut, findet vielleicht auch die Figur, die – diagonal von links oben nach rechts unten - siegreich die Arme in die Höhe streckt und so deutlich macht, dass ich neben den Einschränkungen vor allem den so viel größeren Raum der Möglichkeiten wahrnehmen darf: Ich kann zur Ruhe kommen, mich neu verorten und all das Wichtige und Unwichtige hinterfragen. Ja, ich bin dankbar für diese Zeit.

Das fertige Bild liegt vor mir. Wie gesagt, es ist nur eine Skizze, eine Komposition, in der ich meine Gefühle zum Ausdruck bringen konnte, und in der doch die Elemente der Neurographik vereint sind. Besonders die Feldlinien, bei denen ich dieses Mal auf den sehr breiten Pinselstift bewusst verzichte und gefühlt unendliche Male die Linien nachfahre, sind für mich letztendlich dann auch die sogenannte Fixierung, also das Element, welches dem Bild die Aussage verleiht. Obwohl das Bild im kleinen Format gezeichnet ist, zu mehr reichte die Kraft dann doch nicht, habe ich drei Feldlinien eingezeichnet. Ich brauche einfach ihre Energie, und am Ende fühle ich mich tatsächlich deutlich gestärkt. Ich erlebe es als ein großes Vorrecht, mir meine Energie zeichnen und ihr Wirken erleben zu dürfen.

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