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  • bettinastrunk

"Jedem Narr sei Kapp!"

Aktualisiert: 26. Feb.




Ich bin wirklich keine Karnevalsjecke. Dennoch hat mich der Gedanke fasziniert, was wäre, wenn ich eine Närrin wäre, mit bunter Kappe auf dem Kopf und Kraft meines Amtes tun und lassen (und vor allem sagen) dürfte, was ich will? Daraus entstand dann meine Idee für die Zeichnung und den Blogartikel: "Jedem Narr sei Kapp!"


Die Zeichnung, das war von Anfang an klar, würde nicht den Vorgaben einer reinen Neurographik folgen, sondern sollte, der jecken Zeit angemessen, vor allem Spaß machen und so ein NeuroArt-Bild werden. Dennoch sollte mich das Zeichnen der Narrenkappe aber auch zum Nachdenken bringen: Was möchte ich denn endlich mal sagen? Was würde ich gerne tun, was ich mir aber vernunftsmäßig versage? Welche Erwartungen möchte ich nicht mehr erfüllen und welche vielleicht toxischen Beziehungen beenden?


Für jede dieser Fragen stand jeweils einer der vier Zipfel der Narrenkappe. Zipfel! Ein lustiges Wort, über das ich schmunzeln muss. In jeden der Zipfel :) zeichnete ich Kreise über Kreise, einen für jeden Aspekt. Warum Kreise?, fragst du dich vielleicht. Schließlich ist es ja irgendwie auch ein Konfliktthema. Kreise stehen für Harmonie. Keine Form ist harmonischer als der Kreis. In dem Moment, in dem ich mich nicht mehr verstelle, in dem ich authentisch bin, entsteht Harmonie - zumindest in mir. Meine Umwelt muss sich daran vielleicht erst noch gewöhnen.


Das Verbinden mit dem Außen, also mit der Umwelt, ist mir gleich am Anfang besonders wichtig, denn dieses Netz, das daraus resultiert, gibt Sicherheit. Und Sicherheit brauche ich, um mich zu zeigen, wie ich wirklich bin.


Aber ist es nicht verrückt, dass wir menschen Sicherheit brauchen, um uns so zu geben, wie wir wirklich sind? Um zu äußern, was wir denken und fühlen? Und ist es wirklich nur die "gute Erziehung", die mir genau das verbietet? Gewiss spielt die Prägung auch hier ein große Rolle, aber oft sind es ja wirkliche Erfahrungen, die wir gemacht haben, in denen Ehrlichkeit nicht gut kam. Daraus resultieren Ängste: Angst vor Ausgrenzung oder gar Liebesentzug. Nein, dann doch lieber den Mund halten.


Aber, so stelle ich es mir beim Zeichnen vor, was wäre, wenn niemand da wäre, der mich schräg anschaut, der mich, wie auch immer, "bestraft"? Was, wenn nicht immer die Vernunft das Sagen hätte? Doch kaum ist dieser Gedanke gedacht, melden sich schon wieder diese uralten Glaubenssätze und aller Mut ist erst mal dahin. Misstrauen rührt sich. Misstrauen wem oder was gegenüber und auf welcher Grundlage überhaupt? Wenn ich diese Ängste, dieses Misstrauen nicht überwinde, werde ich niemals erfahren, was passieren würde, würde ich meinen Gefühlen folgen, würde ich mir treu werden.


Also geht es darum? Um Selbstfürsorge? Um Sich-treu-sein? Irgendwie schon.

Vor wenigen Tagen erhielt ich die Nachricht, dass ein Freund von mir mit gerade 62 Jahren gestorben ist. Urplötzlich! Ich bin mir sicher, er hätte noch so viel zu sagen gehabt. Ich will nicht warten, den Menschen, und jetzt komme ich zu einer wesentlichen Einschränkung, die mir wichtig sind, ehrlich gegenüber zu sein, Dinge zu klären, in wichtigen Fragen, wie solchen zu Rechtsextremismus, Klimakrise, der Notwendigkeit für eine pflanzenbasierte Ernährung und, und, und, Haltung zu zeigen.


Und so stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn ich bestimmten Menschen das sagen würde, was mir auf der Seele liegt. Denn das ist mir klar: Es geht hier nicht um einen Rundumschlag. Ich will nicht hausen wie die Axt im Wald. Ich möchte schon noch den Ton wahren, mein Gegenüber respektvoll behandeln, aber eben auch für mich eintreten.


Entsprechend wähle ich zum einen die Farbe zwischen den Kreisen sowie den Hintergrund mit bedacht: Das Rot, das mir die Energie und das "Feuer" gibt, mutig zu sein, und das Gelb, das mich scheinen lässt, sodass jede:r merkt, dass sich in mir etwas gewandelt hat. Ich strahle Authentizität aus.


Ich kann nicht umhin, die vier Glöckchen an den Zipfeln (da ist es wieder, dieses lustige Wort, das mich unweigerlich an den Film "Willkommen bei den Sch'tis!" erinnert: "Schipfel!Häh???") und ein paar Linien mit Gold zum umfahren. Da erwacht das kleine Mädchen in mir, dem man früher immer sagte, das sei kitschig. Mir doch egal! Und jetzt erst recht noch eine gehörige Portion Konfetti oben drüber. So muss das!


Am Ende fällt es mir sehr leicht, mein Motto in die Krempe der Kappe zu schreiben: "Ich bin ICH!" Ja, genau so. Ich bin ICH!!! Hoch mit der Narrenkappe! Ein dreifaches ALAAF!!!

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