Gedanken zum Umgang mit Lebensübergängen
- bettinastrunk
- 8. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Nov.

Lebensübergänge – gleich welcher Art – bringen Veränderung mit sich. Veränderung ist nicht unbedingt das, was wir spontan mit Gewinn oder Bereicherung verbinden. Denn gleichzeitig geht sie meist mit einer – oft diffusen – Angst einher. Unser Gehirn mag keine Veränderung. So paradox es klingt: Ginge es nach ihm, bliebe alles, wie es ist. Evolutionsgeschichtlich ist das genau so in uns angelegt. Seitdem hat sich jedoch so gut wie alles verändert. Geblieben ist nur diese Angst.
Vielleicht geht es dir wie mir, und auch du bemerkst, dass sich die Qualität dieser Angst im Laufe deines Lebens verändert hat. Welche Lebensübergänge haben wir nicht schon bewältigt? Angefangen mit unserer Geburt. Dann kamen vielleicht Stationen wie Kindergarten, Schule, Ausbildung oder Studium – und, und, und. All diese Ereignisse waren, sind wir ehrlich, von einer gehörigen Portion Aufregung und Angst begleitet.
Ich sehe noch heute meinen Sohn bei seiner Einschulung auf dem Schulhof stehen. Wir waren gerade an einen neuen Ort gezogen, keiner seiner Kindergartenfreunde stand an seiner Seite. Leise sagte er: „Mama, ich hab solche Angst.“ Zwei Stunden später war sie verflogen – der Junge neben ihm am Tisch war wohl ganz nett. Wir alle kennen dieses Gefühl noch und wussten auch damals schon, dass wir es irgendwie schaffen würden.
Solche Übergänge sind die linearen Ereignisse. Sie ergeben sich einfach. Zeichnen wir unser Leben als Linie oder erkennen in ihm den roten Faden, sehen wir, dass von diesem geradlinigen Weg viele weitere Linien abzweigen – solche, die ganz andere Wendungen genommen haben: das erste Verliebtsein, Krankheiten, Verluste und Abschiede. Menschen, die in unser Leben traten. Solche, die blieben, und andere, die gingen.
Jeden dieser Lebensübergänge haben wir – ja, was? – ertragen oder bewältigt? Erduldet oder herbeigesehnt? Welche sind tatsächlich abgeschlossen, verarbeitet und integriert? Und welche treiben uns heute noch um? Weil wir so schwer an ihnen tragen, dass wir sie nicht einfach abschütteln können. Oder weil sie noch zu nah sind: der Auszug der Kinder, der Tod der Eltern, das Ende einer Beziehung, ein Umzug oder der Abschied vom Beruf. Und zu all dem kommen oft Krankheiten oder körperliche Veränderungen.
All diese Stationen sind Lebensübergänge, die meist nicht geplant waren – und die uns deshalb so oft in ein tiefes Loch fallen lassen. Weil wir andere Vorstellungen hatten, weil sie über unsere Kräfte gehen, weil wir die Kontrolle verlieren.
Lebensübergänge annehmen – statt gegen sie anzukämpfen
Je mehr wir uns dagegen wehren, innerlich – oder auch tatsächlich – mit dem Fuß aufstampfen aus Wut und Verzweiflung, desto mehr vernebelt sich der Blick für die Chancen, die in diesen Übergängen liegen. Je stärker wir in den Widerstand gehen, desto mehr folgen wir dem Schweren, ziehen es an wie ein Magnet. Das ist keine Esoterik – das ist ein Naturgesetz.
Erst wenn wir die Veränderung annehmen, kann sich der Nebel lichten. Und wenn sich der Nebel lichtet und wir erkennen, dass wir gestalten dürfen, was jetzt unser Leben ist – so anders, so neu –, dann stehen wir in einem weiten Raum.Kurze Anmerkung: Lies das Wort NEBEL einmal rückwärts.
Die Zeit der Veränderung – vom Übergang zur Integration
Ehe dieser Raum zu unserem wird, ehe wir sehen und spüren, dass er unser neues inneres Zuhause sein kann, braucht es Zeit. Veränderung braucht Zeit. Integration braucht Zeit. Ankommen braucht Zeit.
Wie gut, dass schon auf dem Weg dorthin viele kleine und größere Geschenke bereitliegen, die wir „nur“ annehmen müssen. Kraftorte, die wir „nur“ betreten müssen, um ihre Energie zu spüren. Auf diesem Weg dürfen wir immer wieder innehalten. Dann – und nur dann – geben wir unserer Seele Raum, damit sie sagen kann:„Alles ist gut. Es liegt noch so viel Gutes für dich bereit.“
Aus den vielen Lebensübergängen, die wir schon erlebt und durchlebt haben, dürfen wir lernen. Das nennt man Weisheit. Sie hat wenig mit dem Alter zu tun – auch wenn sie später im Leben öfter die Gelegenheit bekommt, sich zu zeigen.
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