Machst du mit?

Aktualisiert: 12. Aug.


Weißt du noch, wie es war, als die Pandemie scheinbar plötzlich über uns kam – wie ein Phantom, mit dem wir nie gerechnet hätten? Es war still. Still. So still, dass ich die Lautstärke der Stille gar nicht überhören konnte. Es flogen keine Flugzeuge, der Öffentliche Nahverkehr war massiv eingeschränkt, und auf den Straßen schien der Verkehr zu erliegen. Es war – wunderbar! Es war ein Zustand, nach dem ich mich so lange schon gesehnt hatte.

Als ich nach einigen Tagen den unglaublich blauen Himmel wahrnahm, erschrak ich zunächst. Und als ich abends den Sternenhimmel sah, wie ich ihn zuletzt in meiner Kindheit gesehen hatte, wollte mein Herz vor Freude Purzelbäume schlagen. Nicht nur die Vögel sangen. Ich tat es auch.

Inzwischen ist vieles wieder wie zuvor, leider nur das Negative - und das, obwohl die Pandemie immer noch unser Leben bestimmt. Der Lärm verschmutzt die Umwelt und meine Seele.

Wie sehr ich mich danach sehne, dass wir erkennen, was wir der so verletzten Schöpfung antun. Wie sehr ich mich danach sehne, in meiner Angst um meine Kinder und ungeborenen Enkelkinder gehört zu werden.

Aber fast alle um mich herum schauen weg. Setzen, obwohl ich ihnen mit meinem sehnsuchtsvollen Blick in die Augen schaue, ihre rosarote Brille auf. Doch nicht schnell genug. Die Angst in ihrem Gesicht erkenne ich ein ums andere Mal. Wie sehr wünsche ich mir, dass ich meine Sehnsucht mit ihnen teilen kann. Geteilte Sehnsucht ist auch geteilte Angst. Und geteilte Angst bleibt nicht nur zur Hälfte zurück, sondern sie wird immer kleiner, je mehr ich sie teile und teile und teile – mit Menschen, die mit mir auch die Sehnsucht teilen.

Ich möchte dir voller Respekt vor deiner Angst deine rosarote Brille von den Augen nehmen. Ich möchte mit dir meine Sehnsucht teilen. Denn geteilte Sehnsucht verdoppelt sich, wird größer und größer, je mehr ich sie teile und teile und teile – mit Menschen, die mit mir zusammen ihre Angst verwandeln wollen in Handeln.

Meine geteilte Sehnsucht nach einem blauen Himmel, nach singenden Vögeln und einer verlautbaren Stille - nach einer genesenden Erde - ist der Anfang, aus dem Hoffnung erwächst.

15 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Ich will nerven!