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Harmonische Trennung



Komposition mit Dreiecken

Anspannung macht sich breit, als ich mit dem Zeichnen der Dreiecke beginne. Ich setze mich, wie in alten Zeiten, unter Druck. Dabei gibt es hierfür noch nicht einmal den kleinsten Anlass. Es ist wieder der innere Antreiber, den ich mir heute vielleicht mal zum Freund machen könnte. Los geht‘s! Mit viel Kraft zeichne ich die Dreiecke ein. Ich überlege nicht, in welcher Lage ich sie zeichnen möchte. Sie kommen einfach, und das zeigt mir bereits, dass ich loslassen darf. Es kommt auch so aufs Papier, was kommen soll. Das Gefühl ist ähnlich wie bei einer Entladung (s. Blogartikel vom 20.10.2023: "Was ist eine Entladung?"). Dadurch, dass es länger als die drei bis vier Sekunden dauert, fast sogar noch intensiver.


Mir entfährt ein lautes „WOW!“, als ich bemerke, welchen Unterschied es macht, ob ich von der Spitze zur Basis der Dreiecke zeichne oder umgekehrt. Wenn ich bei der Spitze beginne, dann verschafft mir das Befriedigung und auch Befreiung.

Das größte Dreieck im unteren Teil des Blattes gibt mir Sicherheit. Es steht fest, und das gibt mir Mut. Es steht sehr sicher, auch weil ich es besonders oft nachzeichne. Aber es ist nicht so sehr in meinem Blick wie die beiden Dreiecke darüber bzw. rechts davon, die wirken, als würden sie ihre Flügel ausbreiten. Ein schöner Gedanke. Ich atme tief ein und wieder aus. Dieser Gedanke soll sich in mir ausbreiten dürfen.

Die Dreiecke haben eine unglaubliche Energie. Einladend schaue ich sie an und warte darauf, dass sie mir davon abgeben. Und tatsächlich werde ich etwas ruhiger, die Anspannung löst sich und das unangenehme Kribbeln im Kopf verschwindet beinahe.

Ich habe nicht das Bedürfnis, den Dreiecken Namen zu geben. Ihre Bedeutung liegt im Unbewussten. Ob sie hervorkommt, weiß ich nicht. Es ist mir aber auch nicht wichtig.


Da liegen sie nun vor mir: acht Dreiecke, durch das Übereinanderzeichnen entsteht sogar ein neuntes. Noch treten sie nicht in Beziehung. Erst durch die neurographischen Linien bringe ich sie zusammen. So richtig komme ich nicht in den FLOW. Ich glaube, genau dagegen wehre ich mich sogar.

 

Die Aggression, mit der ich sagen will, dass ich diesen Druck nicht (mehr) will, soll mir noch eine Weile erhalten bleiben. Aber ich brauche auch Unterstützung, und deshalb zeichne ich ein paar Kreise ein. Richtige Kraftquellen entstehen an den unterschiedlichsten Stellen. Ich entspanne mich so urplötzlich, dass ich jede Spitze der Dreiecke am liebsten in den Hintergrund einweben würde. Mache ich nicht, denn dadurch würde ich ihnen die Energie nehmen. Trotzdem schreit alles in mir nach Harmonisierung. Zum Glück helfen mir die Kreise dabei, Linderung zu schaffen. All die Linien, die nach außen gehen, irgendwohin ins Unendliche, diese Verbindung zu meiner (Um-) Welt sagt mir, dass der Druck, den ich mir mache, so unnötig ist wie nur was.


Plötzlich und unbemerkt haben alle Dreiecke einen Kreis an ihrer Seite. Als wären diese Begleiter, Unterstützer. Beinahe werde ich übermütig. Voller Freude binde ich sie in den Hintergrund ein, verbinde sie mit meiner Welt.


Jetzt dürfen endlich die Farben kommen. Nicht meine liebste Disziplin, aber heute möchte ich mich einfach mal fallenlassen. Einfach!

Entschlossen nehme ich mir zunächst die Dreiecke vor. Immer wieder lasse ich weißen Raum, um das Potenzial zu verdeutlichen, das in jedem einzelnen Dreieck liegt. Nach und nach füllen sie sich dann zwar doch, aber das ist dem Fluss der Farben geschuldet, der viel Energie mit sich bringt. Und offenbar, aber diese Erkenntnis kommt mir erst später, bin ich in diesem Thema doch schon viel weiter als ich dachte.

Regelrecht berauscht bin ich, als ich mit dunkelblauem Stift zwei Ströme von oben nach unten fließen lasse. Wow! Ich fühle mich groß! Und gesegnet! Ich mag das Einfärben nicht? Ach, was! Ich finde es wunderbar! Besondere Intensität gewinnen die bisher gewählten Farben, als ich mit dem sonnigen Gelb links beginne zu malen, dieses, wie einen unterirdischen Fluss, unter die blauen Figuren führe, damit es voller Energie auf der rechten Seite wieder hervortritt und nach oben fließt.


Ich zeichne die Feldlinien ein. Am liebsten würde ich zahlreiche über das ganze Blatt führen. So viel Kraft geht von ihnen aus. Auf der rechten Seite ist ganz „schön was los“. Aber das erfüllt mich nicht mit Furcht, sondern mit froher Erwartung. Etwas ist in Bewegung.

Ich muss lachen, als ich sehe, dass das kleinste Dreieck sich regelrecht in den Vordergrund mogelt. Mit einem dickeren Stift „streichle“ ich es liebevoll. Was, kleines Dreieck, willst du mir sagen?

Erst als ich ein Foto mache, erkenne ich die große Figur in ihrer Kraft. Aufsteigend. Wie Phönix aus der Asche. Hey! Es darf Verwandlung geben! Mein innerer Antreiber darf sich trollen und zum Motivator werden. Hätte ich das durch bloßes Nachdenken herausgefunden?

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